Vom Wesen der Verantwortung
Dr. Alexandra Hildebrandt
„Verantwortung tragen“ meint die aktive Verantwortung für andere und für
die eigene Lebensgestaltung und nicht, in die Verantwortung gezogen werden.
Sie kann weder delegiert noch übertragen werden.
Nachhaltige Veranstaltungen wie die Bayreuther Dialoge verweisen auf das, was wir wirklich wollen: „Verantwortung tragen“. Und sie schieben Innovationen an dort, wo es nottut: in Wirtschaft und Bildung. Die Teilnehmer der diesjährigen Bayreuther Dialoge gehörten zu den ersten, die sich zum gleichnamigen Projekt der Arcandor AG bekannten. Die Idee hinter dem Projekt: Menschen auf der ganzen Welt – Prominente, Manager, Künstler, Medienvertreter, Kulturschaffende, Mitarbeiter und Geschäftsführer von NGOs, Sportler, Geistliche und Wissenschaftler – beantworten die Frage, was „Verantwortung tragen“ für sie konkret bedeutet. Damit wird ein allgemeines Thema auf eine Ebene geholt, die einen persönlichen Bezug hat. Denn: „Verantwortung ist immer konkret. Sie hat einen Namen, eine Adresse und eine Hausnummer“, sagte schon der Philosoph Karl Jaspers.
So unterschiedliche Menschen wie Graf Faber-Castell, Günther Beckstein, Franz-Theo Gottwald, Franz Ehrnsperger, Gerhard Meir, Oliver Kahn und Günther Netzer, die bereit sind, für andere und für sich Verantwortung zu übernehmen, haben sich bislang an diesem Projekt beteiligt. Ebenso namhafte Aufsichtsräte, Geschäftsführer, Betriebsräte, aber auch Menschen des Alltags, die auf ihre Weise verantwortlich handeln. Das Projekt selbst ist der Nachhaltigkeit verpflichtet: Es wird finanziert aus den Tantiemen des Buches „Die Andersmacher. Unternehmerische Verantwortung jenseits der Business Class“ (Kamphausen Verlag, Bielefeld 2008), in dem Querdenker und Lebensunternehmer vorgestellt werden, die nachhaltig und verantwortungsbewusst handeln, die für andere da sind und sich selbst nicht verlieren. Auch für das neue Projekt ist es - im wahrsten Sinne des Wortes – entscheidend,
„Gesicht(er)“ zu zeigen – Menschen, die bereit sind, in die Verantwortung zu gehen und andere zu motivieren, dies ebenfalls zu tun. Die Studenten der Bayreuther Dialoge gehörten zu den Vorreitern. Da das Projekt regional und global ausgerichtet ist, kam es darauf an, ein Dingsymbol zu finden, das in allen Kulturkreisen bekannt ist und für sich selbst spricht. Der limitierte Sammlerteddy der Hermann Teddy GmbH aus Hirschaid ist solch ein kulturelles Zuwendungsobjekt, das die Rolle eines Freundes einnimmt. Seine Botschaft ist leise und unaufdringlich wie dieses Projekt selbst. Allerdings ist nicht entscheidend, dass allein der Name eines Unternehmens in die Welt getragen wird, sondern der Inhalt einer nachhaltigen Aktion, die allen zugute kommt. Deshalb freut es uns um so mehr, dass sich neben Einzelpersonen auch zahlreiche Verbände, Institutionen sowie namhafte Medien angeschlossen haben.
Verantwortung tragen meint die aktive Verantwortung für andere und für die eigene Lebensgestaltung und nicht, in die Verantwortung gezogen werden. Sie kann weder delegiert noch übertragen werden. Zuweilen verweisen Menschen darauf, weisungsgebunden zu sein. Die Last der Entscheidung wird dann auf viele Schultern verteilt, um sie in der Unverbindlichkeit der Gruppe bequem abzulegen. Doch das entschuldigt nichts, denn Verantwortung reicht über die eigene Aufgabe hinaus, die einem unmittelbar zugewiesen ist. „Geben wir hingegen schon im Voraus die Verantwortung an die Sache ab, indem wir jede schmerzliche Entscheidung für unethisch halten, schütten wir nicht nur das Kind mit dem Bade aus. Der nahe liegende Kurzschluss, ethisches Handeln sei mit den Anforderungen des Alltags unvereinbar, öffnet die Tür zu resigniertem Umgang mit Ethik und Moral – und lässt die Herzen gefrieren“, schreibt der Autor Hans Jecklin. Die Psychoanalytikerin Margarete Mitscherlich, Grande Dame der deutschen Psychoanalyse, ist überzeugt, dass ohne Selbstverantwortung keine Veränderung zum Besseren hin möglich ist. Wer sich seiner Verantwortung bewusst wird und den Mut hat, sich zu bekennen, erfährt sich selbst als Lebensgestalter und nicht Verwalter. „Verantwortung tragen“ ist ein Bekenntnis, aber auch eine Haltung und ein Lebensgefühl: „Ich tue es!“. Es geht um Selbstverantwortung statt passiver Verdrossenheit, darum, das eigene Tun nicht als Last, sondern als Lust zu empfinden.
Die Vorträge und Ergebnisse der diesjährigen Bayreuther Dialoge machen Mut und zeigen, dass es klare Anzeichen dafür gibt, dass der Markt jene Menschen und Unternehmen belohnt, die sich auf den Weg machen und nicht nur ökonomische, sondern auch soziale und ökologische Verantwortung tragen.
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